NVE & SSCC erklärt: Aufbau, Prüfziffer, Etikett
Eine NVE (Nummer der Versandeinheit) und ein SSCC (Serial Shipping Container Code) sind dieselbe Nummer: eine 18-stellige, weltweit eindeutige Kennzeichnung einer Versandeinheit wie Palette, Gitterbox oder Versandkarton. NVE ist der deutsche Name, SSCC der internationale Begriff des GS1-Standards. Die Referenz dazu finden Sie bei GS1 Germany: NVE / SSCC: Nummer der Versandeinheit.
Was ist eine NVE?
Die NVE kennzeichnet nicht einen Artikel, sondern eine konkrete physische Einheit. Zwei Paletten mit identischer Ware tragen zwei verschiedene NVE. Damit lässt sich jede Einheit durch die gesamte Lieferkette verfolgen: vom Versender über die Spedition bis in den Wareneingang des Empfängers.
Im Alltag begegnen Ihnen dafür mehrere Bezeichnungen:
- NVE oder NVE-Nummer: der gebräuchliche deutsche Begriff
- SSCC, SSCC-Code oder SSCC-Nummer: der internationale GS1-Begriff
Gemeint ist immer dieselbe 18-stellige Nummer.
Wie ist eine NVE aufgebaut?
Jede NVE besteht aus vier Teilen:
- Erweiterungsziffer (1 Stelle): vom vergebenden Unternehmen frei gewählt; sie erweitert den verfügbaren Nummernkreis.
- GS1-Basisnummer: identifiziert das Unternehmen, das die NVE vergibt. Ihre Länge hängt von der GS1-Lizenz ab.
- Fortlaufende Nummer: vom Unternehmen selbst vergeben; sie füllt die Stellen bis zur 17. Stelle auf.
- Prüfziffer (1 Stelle): wird aus den 17 Stellen davor berechnet und macht Tipp- und Lesefehler erkennbar.
Ein Beispiel mit der fiktiven Basisnummer 4012345: Erweiterungsziffer 3, Basisnummer 4012345, fortlaufende Nummer 000000001 und Prüfziffer 7 ergeben die NVE 340123450000000017.
Wie wird die Prüfziffer der NVE berechnet?
Die Prüfziffer folgt dem Modulo-10-Verfahren, das GS1 auch für GTIN und EAN verwendet:
- Die 17 Stellen von rechts nach links abwechselnd mit 3 und 1 multiplizieren - die Stelle direkt vor der Prüfziffer mit 3.
- Alle Produkte addieren.
- Die Differenz zum nächsten vollen Zehner ist die Prüfziffer. Ist die Summe bereits ein Vielfaches von 10, lautet sie 0.
Für das Beispiel oben ergibt sich die Summe 43. Bis zum nächsten Zehner (50) fehlen 7 - die Prüfziffer ist also 7. So lässt sich jede gescannte NVE sofort formal prüfen: Stimmt die Prüfziffer nicht, ist die Nummer falsch gelesen oder falsch vergeben.
Was steht auf dem SSCC-Etikett?
Auf der Palette steht die NVE auf dem GS1-Transportetikett, im Lager meist NVE-Etikett oder SSCC-Etikett genannt:
- Die NVE ist das einzige Pflichtelement. Sie steht als Strichcode im Format GS1-128 mit dem Datenbezeichner (00) und zusätzlich in Klarschrift.
- Je nach Absprache kommen weitere Angaben dazu, etwa Inhalt (GTIN), Menge, Charge oder Mindesthaltbarkeitsdatum - jeweils mit eigenem Datenbezeichner.
- Das Etikett gliedert sich in Bereiche für Lieferant, Kunde und Frachtführer.
Bei Paletten empfiehlt GS1, das Etikett an zwei benachbarten Seiten anzubringen.
Wer vergibt die NVE?
Die NVE vergibt das Unternehmen, das die Versandeinheit bildet - in der Regel der Versender oder Lieferant, mit seiner eigenen GS1-Basisnummer. Speditionen arbeiten mit dieser Nummer weiter, statt eine neue zu vergeben. Eine neue NVE entsteht erst, wenn eine neue Einheit gebildet wird, zum Beispiel beim Umpacken oder beim Kommissionieren auf eine neue Palette.
Nach den GS1-Regeln darf eine vergebene NVE frühestens ein Jahr nach dem Versand erneut verwendet werden.
NVE, GTIN und Sendungsnummer: der Unterschied
- GTIN (früher EAN): kennzeichnet eine Artikelart. Jede Einheit desselben Artikels trägt dieselbe GTIN.
- NVE/SSCC: kennzeichnet genau eine physische Versandeinheit. Keine zwei Einheiten tragen dieselbe NVE.
- Sendungsnummer: vergibt der Paketdienst oder Frachtführer für seine eigene Sendungsverfolgung; sie gilt nur in dessen System.
Warum ist die NVE für Speditionen mit Lager wichtig?
Sobald mehrere Lieferungen, Kunden und Aufträge parallel am Standort eintreffen, reicht eine lose Beschreibung nicht mehr. Der Scan einer NVE schafft Klarheit:
- Welche Lieferung ist angekommen?
- Zu welchem Avis gehört sie?
- Ist die Einheit erwartet oder eine Abweichung?
- Welcher Status muss jetzt gesetzt werden?
Wie NVE und Avis im Wareneingang zusammenspielen
Die NVE entfaltet ihren Nutzen erst, wenn sie vor der Lieferung bekannt ist. Deshalb gehört sie ins Lieferavis: Der Versender kündigt an, welche Einheiten mit welchen NVE kommen. Am Tor wird dann nicht nur erfasst, sondern geprüft:
- Erwartete NVE im Avis hinterlegen - erfasst, importiert oder per EDI übermittelt
- Lieferung am Tor identifizieren
- NVE scannen und formal prüfen (18 Stellen, Prüfziffer)
- Gegen die im Avis erwarteten NVE abgleichen
- Bestand und Status aktualisieren
Viele Teams scannen zwar Kennzeichnungen, arbeiten für den Abgleich aber weiterhin mit Papier oder Excel. Dadurch bleibt die NVE isoliert. Wirkung entsteht erst, wenn sie direkt mit Wareneingang, Status und Bestand verbunden ist.
Für die Details lesen Sie:
Wenn Kennzeichnungen heute vorhanden sind, aber nicht sauber gegen Avis und Bestand laufen, liegt der Hebel meist im Prozess - nicht im Barcode allein. Demo anfragen.